Besuch an der Front

Sake

Sake, mit Blick auf die Berge, in denen die Rebellen sitzen

Zum Abschluss unseres Besuches war es uns wichtig, noch einen kurzen Abstecher nach Sake zu machen, der letzten Stadt vor der Front. Hier endet die Ebene des Vulkanfusses und die Berge fangen an. Dort haben sich die Rebellen verschanzt und von dort machen sie immer wieder Vorstöße. Wir besuchten den Pastor der dortigen CBCA-Gemeinde.

Völlig überrascht begrüßte er uns und lud uns in sein Haus ein. „Ich habe nichts gewusst und nichts vorbereitet.“ Nunja, wir hatten uns ja auch nicht angemeldet. So setzten wir uns in sein Wohnzimmer in das Licht aus der offenen Tür und etlichen Löchern im Dach fiel. „Einschusslöcher!“, meinte der Pastor. „Wir sind froh, wenn wir mal zwei Tage, bzw. Nächte Ruhe haben. Ständig sind Gefechte, allerdings meistens weiter weg.“ Tatsächlich scheinen die Regierungssoldaten die Rebellen rund 40 km weit zurückgedrängt zu haben. Das heißt jedoch nicht viel. Die Rebellen können durchaus ein paar Täler weiter die Soldaten umgehen und dann in ihrem Rücken operieren.

Einschusslöcher

Einschusslöcher

Der Pastor tat mir leid. Er war sichtlich angeschlagen von der Situation, obwohl Sake für ihn eine Erholung darstellte. „Kiwanja, wo ich vorher war, war viel schlimmer. Hier habe ich wenigstens zwei Möglichkeiten zu fliehen, nach Goma oder nach Norden.“ Er freute sich sehr über unseren Besuch. Sonst traut sich nämlich keiner dort hin. Auch unser Begleiter Kanyororo war sichtlich nervös, besonders, als er das mit den Einschusslöchern hörte. Noch nervöser wurde er, als wir auf der Rückfahrt noch die Schule von Sake besuchten. Dazu bogen wir bei einem Miltärposten rechts ab, fuhren durch ein Militärlager hindurch und bogen auf das Schulgelände ein. Dort drehten wir nur eine kurze Runde und sprachen mit einigen Schülern ohne auszusteigen, dann ging es wieder zurück, hinter einem Pick-up voller schwerbewaffneter Soldaten her.

Meine Aufgabe war es dabei, auf dem Vordersitz zu sitzen, wichtig auszusehen und mit einem gewohnheitsmäßigen Desinteresse die Sachen zu betrachten. Sowie natürlich, die Soldaten, die uns grüßten, generalsmäßig zurückzugrüßen. Naja, den nervösen Kanyororo  auf dem Rücksitz hätten wir notfalls als Gefangenen ausgeben müssen. Die Rolle passte auf jeden Fall.

Sicherlich kann dort jederzeit wieder etwas ausbrechen, die Gefahr ist uns schon klar, aber dies gilt auch für den Vulkan, der jederzeit praktisch an jeder Stelle der Stadt ausbrechen kann.

Noch zwei weitere Begegnungen hatten wir heute. Eine Schulstunde in Chemie im Institut Majengo, von mir gegeben, und ein Besuch in der Schulseelsorge des Instituts Himbi.

Die Unterrichtsstunde machte allen viel Spaß, mir auch. Wir wollten herausfinden, welche Blumen hier sich als Indikatoren eigen. In einem Flaschendeckel wurden die Blumen zermatscht, auf ein Blatt Papier getropft und dann mit Zitrone und Seifenlauge untersucht. Ein Eimer diente zur Wasserversorgung und ein anderer mit der Aufschrift ‚Disziplin‘ als Ausguss. Am Schluss wies ich die Schüler an, ihre Sachen in die Disziplin zu schütten. Das sorgte für Heiterkeit. Zum Ende kam die entscheidende Frage, ähnlich denen, die ich meinen Schülern oft stellte: „Warum haben wir kein Internet bei Vodacom und wird Orange in Butembo Internet anbieten?“ Der Prefet raunte zu Kanyororo: „Das können die doch garnicht wissen!“ Wurde ja auch nicht unterrichtet, aber tatsächlich erhielt ich eine fundierte Antwort: „Vodacom baut die Router um und Orange geht wohl nicht nach Butembo.“ Es war schön, doch leider merkte ich auch, dass ich das auf Dauer nicht mehr könnte.

Ein anderes Gespräch war auch sehr interessant. Die Schulseelsorge im Institut  Himbi. Man hat die Mittel aufgebracht um im Zentrum des Geländes ein kleines Haus für die Schulseelsorgerin zu errichten. Sowas habe ich in Deutschland noch nicht gesehen und es ist es wert, darüber gesondert zu berichten.

 

 

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